Der Solarzyklus und sein Einfluss auf den Finanzmarkt

Die Börse wird durch Angst und Gier getrieben. Die Ursache für Ängste und Euphorie können z.B. Gerüchte, die Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten oder politische Entscheidungen sein. Aber selten bestimmen solche Faktoren allein über den Kursverlauf.

Wer kennt schon alle Gründe für das Auf und Ab an den Finanzmärkten? In den vergangenen Jahren wurde der politische Einfluss deutlicher, gerade auch in den vergangenen Wochen. Aber treiben nicht eigentlich die Gewinnerwartungen die Aktienmärkte? So war es jedenfalls früher. Die US-Rezession von Ende 2007 bis Mitte 2009 wurde von den Aktienmärkten ab Mitte 2007 antizipiert. Was sich nicht geändert haben dürfte: Die Bewegung an den Finanzmärkten nimmt Entwicklungen der Realwirtschaft vorweg.

Die Bewegung der großen Aktienindizes stellt sich wie ein hin und her waberndes Gebilde dar. Die Märkte tendieren dazu, sich – einmal Momentum aufgenommen habend – in eine bestimmte Richtung weiterzubewegen. Man spricht von einem Trend. Während Aufwärtstrends jahrelang anhalten können, sind echte Abwärtstrends meist eine Angelegenheit von Monaten. Aufwärtstrends sind investierbar, Abwärtstrends sind – für fixe Trader – handelbar. Doch was ist, wenn kein Trend existiert: Solche Zeiten sind schlichtweg unbefriedigend. Die Märkte schwanken wie ein Fähnchen im Wind. Eine solche Situation kennzeichnet die Aktienmärkte seit Juli. Im übergeordneten Bild kann man für die alten Industriestaaten seit dem Jahr 2000 eine enervierende Seitwärtsbewegung ausmachen.

Möglicherweise existiert ein weiterer Faktor, der auf die Psychologie der Marktteilnehmer abzielt: Die Sonne. Als Laie nimmt man an, dass die Sonne tagein, tagaus den gleichen Einfluss auf die Erde ausübt. Dies ist jedoch falsch. Die Sonne ist ein gigantischer Kernfusionsrektor. Dabei kommt es immer wieder zu gigantischen Eruptionen, die Einfluss auf das Magnetfeld der Erde nehmen, sichtbar z.B. durch die Polarlichter.

In einer Studie aus dem Jahr 2003 der Federal Reserve Bank of Atlanta wiesen zwei Forscher den Einfluss geomagnetischer Stürme auf den Aktienmarkt nach: „Ungewöhnliche hohe Niveaus geomagnetischer Aktivität haben einen negativen, statistisch und ökonomisch signifikanten Effekt auf die Kurse der Aktienmärkte aller US-Aktienindizes.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang das vermehrte Auftreten geomagnetischer Stürme im Frühjahr und Herbst. Schon die Römer haben den März als ungewöhnlich aktiven Zeitraum empfunden (die „Iden des März“). Auch an den Aktienmärkten ist im Frühjahr und Herbst die Volatilität deutlich höher als im Sommer oder Winter.

Auch von der Sonne abgeleitete Phänomene wie das Wetter beeinflussen die Aktienmärkte. In einer Studie hatten die Autoren Hirshleifer und Shumway 2003 beobachtet, dass die Kurse an der New Yorker Börse an einem perfekt sonnigen Tag dreimal so viel zulegen als an vollständig bedeckten Tagen (Journal of Finance 58, 2003; siehe dazu auch den Artikel „Lacht die Sonne, lacht die Börse“ in der Neuen Züricher Zeitung vom 21.10.2011). Das nur nebenbei.

Bei der geomagnetischen Aktivität und dem bereits in früheren Kolumnen angesprochenen Zyklus der Sonnenflecken handelt es sich nicht um das gleiche Phänomen. Interessant ist jedoch: Beide Aktivitäten sind positiv korreliert. Steigt die Zahl der Sonnenflecken, steigt auch die geomagnetische Aktivität. Eine fallende Zahl der Sonnenflecken bringt hingegen eine Verringerung der geomagnetischen Aktivität mit sich. Die Aktivität der Sonne pulsiert in einem etwa 11 Jahre andauernden Zyklus.

Der folgende Chart verweist auf einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der US-Inflationsrate und der Sonnenaktivität. Phasen tiefer Deflation (1921, 1932, 2008) traten stets dann auf, wenn die solare Aktivität einen Boden ausbildete. Phasen hoher Inflation (1919, 1947, 1980) korrelieren hingegen mit der Ausbildung eines Hochs im Sonnenzyklus.

Beim Hineinzoomen werden die Zusammenhänge deutlicher (nächster Chart).

Die Zyklentiefs korrelieren gut mit Tiefpunkten der Inflationsrate (blaue Linien obiger Chart), genauso wie die Hochpunkte.

Zudem gilt: Aufwärtsphasen des Sonnenzyklus sind üblicherweise frei von Rezessionen (nächster Chart).

Und genauso interessant: Eine obere Umkehr der solaren Aktivität ging stets mit einer US-Rezession einher. Aus Sicht des Wirtschaftzyklus ist eine solche Entwicklung folgerichtig: In dem Moment, in dem die Inflationsrate zu sehr ansteigt, kommt es zu Überhitzungstendenzen in der Wirtschaft, die wiederum in eine Rezession führen.

Wenn man diese Zusammenhänge beachtet und sich vorstellen kann, dass sie auch in Zukunft gültig sein werden, dann kann man das Marktbild wie folgt entwerfen:

Die Vorhersage der NASA für den nächsten Höhepunkt des Sonnenaktivitätszyklus hat den Zeitraum Ende 2012/ Anfang 2013 zum Ziel. http://solarscience.msfc.nasa.gov/SunspotCycle.shtml Danach sollte die solare Aktivität bis etwa 2020 zurückgehen. Da ein Peak der Sonnenaktivität in den vergangenen 80 Jahren stets mit einer US-Rezession einherging, kann man die Annahme treffen, dass eine US-Rezession ab Mitte/ Ende 2012 auf die Agenda rücken wird. Wir haben die angenommene Zyklenentwicklung sowie die angenommene nächste US-Rezession auf dem folgenden Chart eingezeichnet.

Fazit: Die US-Inflationsrate dürfte – gemäß dem solaren Zyklus – erst in etwa einem Jahr einen Höhepunkt erreichen. Untermauert wird dieser Gedanke durch die charttechnische Entwicklung des Ölpreises in Euro (folgender Chart).

Ölpreis (Brent) in Euro Wochenchart

Ein Ausbruch des Ölpreises nach oben würde das Bild einer inflationären Entwicklung unterstützen. In einem Umfeld steigender Inflationsraten wären Rohstoffe incl. der Edelmetalle begünstigt. Eine Inflationsrate zwischen 2 und 5 Prozent ist für Aktien positiv. Bei höheren Inflationsraten liefern Aktien real üblicherweise keinen positiven Return, nominal könnten sie seitwärts laufen. Der US-Dollar wäre weniger gefragt.

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